Hermann Burger: “Der Lachartist” (Prosastück)
Das Leben des Germanisten und Autoren Hermann Burger haben “drei hohe C’s bestimmt: “das Cimiterische, das Cigarristische und das Circensische“, so sagt sein alter Ego in seinem Roman „Brenner I. Brunsleben“. Das gibt beim Lesen viel zu Schmunzeln und Lachen, aber wie es so ist, dies kann leicht kippen. Der Lachartist erzählt vom kurzen und scheinbar schnell gelebten Leben des Protagonisten, der nur wenig zu lachen hatte.
Rund sechs Monate vor seinem Tod hatte Hermann Burger diesen Text fertig gestellt, zur Veröffentlichung kam er erst im Jahr 2009. Magnus Wieland und Simon Zumsteg haben zeitgleich mit einer Ausstellung im Literaturmuseum Strauhof in Zürich das Prosastück in der Edition Voldemeer des Springer Verlags herausgegeben.
Problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis
Der Protagonist des brutalen Prosastückes hat den sprechenden Namen Riderius (ridere, lat.: lachen). Seine Mutter ist eine bildschöne Ärztin für Geschlechtskrankheiten mit tizianrotem Haar und einer Promotion zu “13 Arten des Orgasmus“. Sie ist jedoch nicht nur bildschön, sondern hat auch einen hässlichen Charakter, worin die Tragikomik so richtig zum Vorschein kommt. Der Junge wird zu Handlungen gezwungen, von denen Scherben und Sand essen und das vom Boden Auflecken der Zigarrenasche des Vaters nur einige der Experimente sind, die den Sohn zur Lebenstüchtigkeit erziehen sollen. Seine Rettung ist die Flucht ins Lachen, er wird als Erwachsener ein weltberühmter Lachkünstler.
Eine Geburt rückgängig machen
In Las Vegas holt ihn die Mutter schliesslich wieder ein. Zu einem Treffen wird es aber nicht kommen, Riderius stirbt an einer “Ejaculatio letalis“. Im letzten Satz des Büchleins heisst es: “So hatte ich denn also meine von Anfang an verfehlte Geburt rückgängig gemacht.“ Grotesk, tragisch, höchst virtuos in seinen Wortspielen und Wortbildungen und einer offensiven Ehrlichkeit und Direktheit stellt sich uns der Schriftsteller Hermann Burger dar. Eine grosse Gefolgschaft hat er sich zwar nie “angeschrieben“. Als Sprachvirtuose wurden ihm aber einige grosse Preise verliehen. Unter anderem der Preis der Schweizerischen Schillerstiftung für seinen “Bildungsroman“ “Schilten“ (1977), der Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1980), der Friedrich-Hölderlin Preis der Stadt Homburg (1983) und der Ingeborg-Bachmann-Preis (1985) für „Die Fenster der Ingeborg-Bachmann-Preis (1985) für „Die Wasserfallfinsternis von Bad Gastein, ein Hydrotestament in fünf Sätzen“. Wer sich auf den ganz speziellen Duktus des Schriftstellers einlassen will, dem sei dieses schmale Bändchen als Einführung in sein Werk wärmstens empfohlen.
Verlag Springer Wien / New York, Edition Voldemeer
41 Seiten, ca. CHF 28.90 (Soft Cover)
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Vita Hermann Burger
Hermann Burger, geboren 1942 in Aarau, gestorben 1989 auf Schloss Brunegg, ist eine der schillerndsten Figuren der Schweizer Literatur im ausgehenden 20. Jahrhundert. Einem abgebrochenen Studium der Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) liess er 1965 den Wechsel an die Universität Zürich folgen, wo er Germanistik studierte. Nach dem Lizentiat (1972) promovierte er bei Emil Staiger über Paul Celan und habilitierte sich anschliessend mit einer Studie über zeitgenössische Schweizer Literatur. Kurz darauf gelang dem frischgebackenen Privatdozenten mit seinem ersten Roman “Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz” (1976) auch als Schriftsteller der Durchbruch. Fortan gehörte er zu den ersten Namen der deutschen Literatur und wurde unter anderem mit dem Friedrich Hölderlin-Preis (1983) und dem Ingeborg Bachmann-Preis (1985) ausgezeichnet. Immer häufiger auftretende Depressionen erschwerten ihm zunehmend das Leben, das kurz vor dem Erscheinen des ersten Bandes der geplanten“Brenner”-Tetralogie durch eine Überdosis Medikamente sein jähes Ende fand. (…)
(Quelle: Literaturmuseum Strauhof Zürich – www.strauhof.ch)
Schlagwörter:Hermann Burger, Lachartist, Lachen, Literatur